Harter und intensiver Kampf um jeden neuen Auftrag

Am Montag, den 14. September 2020 erschien in der Zeitschrift Reportáže z průmyslu (Nummer 7, Jahrgang 2020) ein Gespräch mit dem Generaldirektor und geschäftsführenden Leiter der TOS VARNSDORF a.s., Ing. Jan Rýdl jun., unter der Überschrift „Es ist ein harter und intensiver Kampf um jeden neuen Auftrag“ (S. 4 bis 6).

Die Entwicklung der Situation im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Covid-19-Pandemie gestaltete sich sehr dynamisch. Wie es dem traditionellen tschechischen Hersteller von Bearbeitungsmaschinen, der Gesellschaft TOS VARNSDORF a.s., gelang, mit dieser schwierigen Situation fertigzuwerden, verriet uns im Gespräch für Reportáže z průmyslu der geschäftsführende Leiter und Generaldirektor Jan Rýdl jun. „Als ein grundlegendes Problem entpuppte sich zu Beginn das Reiseverbot“, sagt Jan Rýdl jun. „Für unsere Firma, die mehr als 85 Prozent ihrer Produktion ins Ausland exportiert, war die Unmöglichkeit, zu unseren Kunden zu reisen, und umgekehrt, diese zu uns einzuladen, absolut fatal“.

 

         

 

Wie kommen Sie mit den Folgen der Corona-Pandemie klar? Mussten Sie z.B. die Produktion ihrer Maschinen unterbrechen oder in einigen Werken den Betrieb sogar einstellen?

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bekamen wir sehr schnell zu spüren. Wir haben zwar Glück, dass sich bislang keiner unserer Mitarbeiter mit dieser Krankheit angesteckt hat und wir dadurch weder unsere Produktion einstellen noch die Firma schließen mussten, doch stellte sich anfangs als ein grundlegendes Problem das Reiseverbot heraus. Für unsere Firma, die mehr als 85 Prozent ihrer Produktion ins Ausland exportiert, war die Unmöglichkeit, zu unseren Kunden zu reisen, und umgekehrt, diese zu uns einzuladen, absolut fatal. Von einem Tag auf den anderen mussten wir deshalb 35 bis 50 Technikern „Hausarrest erteilen“, denn das sind Leute, die ansonsten permanent auf Reise sind, unsere Maschinen bauen, an ihnen Servicearbeiten erledigen oder sie reparieren, und dazu kam dann auch noch das gesamte Vertriebsteam. Nach der Lockerung der Reisebeschränkungen besserte sich die Situation zwar, aber im Wesentlichen nur für den europäischen Raum. Wir können beispielsweise auch weiterhin nicht nach China, Saudi-Arabien, Thailand, Australien, Kanada, in die USA ausreisen, wo unsere Kunden ungeduldig auf die Installation der gelieferten Maschinen warten. Leider gibt uns die derzeitige Entwicklung der Covid-19-Pandemie keine sehr große Hoffnung, dass sich die Situation in puncto Reisen bald bessert.

Lassen sich eventuelle Verluste schon in Zahlen ausdrücken?

Die bisherigen Verluste können beziffert werden, aber angesichts dessen, dass wir nicht wissen, wie sich die Situation weiterhin entwickeln wird, ist es noch zu früh, das gesamte Geschäftsjahr zu bewerten. Das, was nun schon offensichtlich ist, ist der Rückgang der Auftragslage. Der Einbruch der Nachfrage nach Bearbeitungsmaschinen war bereits Ende 2019 offensichtlich, das Einsetzen der Coronakrise hat diesen Einbruch noch potenziert. Zum Glück gibt es aber noch Kunden, die in dieser schwierigen Zeit in neue Maschinen investieren müssen. Daher verzeichnen auch wir neue Bestellungen, doch ist der Kampf um jeden neuen Auftrag in der derzeitigen Situation sehr hart und intensiv. Darüber hinaus besteht hierbei weiterhin das Risiko, dass eine Maschine, obwohl sie hergestellt wird, nicht übergeben werden kann, weder bei uns in der Firma noch beim Endkunden, und zwar aus den Gründen, die ich oben beschrieb. Dadurch ist es sehr schwierig und unsicher, den Gesamtumsatz zu schätzen. Auf jeden Fall erwarten wir einen Einbruch gegenüber 2019 in einer Höhe von mindestens 15 Prozent.

Nahmen Sie irgendeine staatliche Unterstützungsmaßnahme in Anspruch? Halten Sie die Unterstützungsprogramme für ausreichend?

Ja, wir nehmen Sie in Anspruch. Gleich von Anfang an schlossen wir uns dem Programm Antivirus an, das ich als das effizienteste Instrument einschätze, das die Regierung einsetzte, um den Firmen zu helfen und die Beschäftigungszahl auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten, trotz des Arbeitsausfalls für die Beschäftigten. Ich bin froh, dass das Programm weiterläuft, aber mit Sicherheit wird der Umbau in die klassische „Kurzarbeit“, wie wir sie beispielsweise aus Deutschland kennen, notwendig werden. Ich hoffe, dass die Regierungsvertreter nicht sehr lange mit diesem Schritt zögern werden und dem Parlament schon bald einen Entwurf bezüglich der Anpassungen der entsprechenden Gesetze vorlegen. Die übrigen Programme, wie Covid I, II, III und Covid Plus, bewerte ich dahingehend, dass die Absicht zwar gut war, die Umsetzung aber unglücklich. Statt einer sofortigen Bereitstellung der so notwendigen Liquidität für die Unternehmen wurde ein bürokratischer Wirrwarr entfacht, bei dem eine Reihe von Unternehmen sich nicht durchfand oder lieber gleich auf einen Antrag verzichtete. Eine weitaus wirksamere Form der Unterstützung wäre meiner Ansicht nach beispielsweise ein Erlass (keinesfalls ein Aufschub) der Abführungen für die Sozial- und die Krankenversicherung. Als eine vollkommen unangemessene Reaktion des Staates empfinde ich es auch, dass die Organe der Staatsverwaltung sofort nach der Bereitstellung der ersten Unterstützungsgelder umfassende Kontrollen bezüglich der Inanspruchnahme dieser Hilfe starteten. Ich spreche hierbei aus eigener Erfahrung – aus Gründen der Inanspruchnahme des Programms Antivirus wurden wir in der Zeit vom 16. bis 31. März monatelang vom Bezirksarbeitsamt überprüft.

Seit Beginn der Pandemie kam es auch zu einer spürbaren Schwächung der Krone. Bereitete Ihnen das Probleme? Sind Sie für die Einführung des Euros oder eher für die Beibehaltung der tschechischen Krone?

Im Hinblick auf die Tatsache, dass unser Unternehmen vom Export seiner Produkte lebt, mag es den Anschein haben, dass uns die Schwächung der Krone eher in die Karten spielt. Dieses Argument wird häufig auch von Politikern ins Feld geführt. In Wirklichkeit aber sieht die Sache etwas anders aus. Nicht wenige Exporteure sichern sich wie wir langfristig gegen Kursschwankungen der Krone ab und gibt so  die Kursentwicklung für eine Reihe von Monaten oder Jahren vor. Darüber hinaus wird eine Reihe von Inputs, die für die Produktion notwendig sind, aus Ländern importiert, die mit Euro zahlen. Von daher bringen die Kursschwankungen der Krone einerseits Gewinne, auf der anderen Seite aber auch Verluste. Die Absicherung des Kurses ist auch nicht kostenlos und bringt ein zusätzliches Risiko mit sich, das durch die Einführung des Euro verschwinden würde. Persönlich bin ich eindeutig für die Einführung des Euro, aber diese Entscheidung liegt allein in den Händen der Politiker. Leider finden unsere Politiker aus Angst vor einem Verlust von Wählerstimmen nicht den Mut, diesen Schritt zu machen, , und drücke sich davor, indem  sie vermeintliche Nachteile betonen, Nebelkerzen werfen und die Menschen in die Irre führen.

In diesem Jahr wollten Sie sich auf die Entwicklung von technologischem Zubehör für ihre Neuheiten konzentrieren. Wie kommen Sie in dieser Richtung voran? Welche Prozentzahl des Jahresumsatzes investieren Sie in Forschung und Entwicklung?

Dieses Jahr steht in der Tat ganz im Zeichen der Entwicklung des technologischen Zubehörs für unsere Maschinen. Das ergibt sich daraus, dass wir in den voraufgegangenen zwei Jahren drei Prototypen neuer Maschinen auf den Markt brachten, und nun befinden wir uns in der Phase der abschließenden Ausstattung dieser Maschinen mit einem Zubehör, das ihre Universalität erweitert und gleichzeitig die maximale Ausnutzung aller technischen Parameter dieser Maschinen ermöglicht. Hierbei handelt es sich vor allem um verschiedene Typen von Fräsköpfen, den Austausch von technologischem Zubehör, Werkstücken und Werkzeugen. In den letzten acht Monaten fertigten wir vier Prototypen neuer Fräsköpfe, die jetzt vor der Markteinführung betriebliche Prüfungen durchlaufen. In die technische Entwicklung und Innovationen investieren wir jährlich zwischen 30 und 60 Millionen Kronen.

Eine große Rolle spielen in Ihrem Bereich Ausstellungen und Messen, an denen Sie sich regelmäßig beteiligen. Aufgrund der Pandemie kam es zur Stornierung oder Verschiebung einiger bedeutender Aktionen. Ist diesbezüglich dieser Situation schon eine Änderung festzustellen? Wird es dieses Jahr irgendwelche Messen geben?

Für dieses Jahr hatten wir eine Beteiligung an drei großen Ausstellungen geplant: an der CCMT in Schanghai, der Metalloobrabotce in Moskau und an der MSV in Brünn. Leider findet keine dieser Messen statt. Das ist ein riesiger Schaden, da diese Messen ein wichtiger Ort für die Präsentation von Entwicklungen und Trends innerhalb der Branche sowie für Treffen mit Geschäftspartnern sind. Die Gründe für die Absagen dieser Messen verstehe ich selbstverständlich, und ich hoffe, dass die Situation im nächsten Jahr wieder normal wird und wir zu den Messen zurückkehren können. Auf jeden Fall wird bis Ende dieses Jahres keine Maschinenbaumesse mehr stattfinden. Ich bin daher sehr glücklich, dass es uns dieses Jahr gelang, wenigstens das regelmäßige TOSmeet-Treffen mit unseren Händlern und Vertretern aus der ganzen Welt zu verwirklichen. Bei diesem Treffen präsentieren wir immer die neuesten Outputs unserer technischen Entwicklung, und gemeinsam diskutieren wir die neuesten Entwicklungstrends auf den einzelnen Märkten. Dem Zufall ist es zu verdanken, dass wir diese Verhandlungen heuer ausnahmsweise vom Juni auf den Februar vorverlegt hatten, sodass  insgesamt 53 Vertreter aus 35 Ländern daran teilnehmen konnten.

Im Juni dieses Jahres fand in den Räumen der Gesellschaft TOS Varnsdorf das abschließende Opponentenmanagement des Projekts Kompetenzzentrum – Maschinenbauproduktionstechnik statt, in das Sie eingebunden waren. Können Sie zu diesem Projekt etwas Näheres sagen?

Das Projekt wurde von 2012 bis 2019 umgesetzt. Seine Einzigartigkeit bestand darin, dass sich an ihm drei Forschungsstellen und sieben führende Hersteller von Bearbeitungs- und Formmaschinen beteiligten, bei denen es sich in einigen Fällen um Konkurrenten handelt. Hauptziel des Projekts war die Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit des Bereichs der Maschinenbauproduktionstechnik durch Verbesserung der sechs wichtigsten Nutzeigenschaften der Maschinen und Technologien – Präzision, Güte, Produktivität, Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Minimierung der Umweltfolgen. Das Projekt war hinsichtlich der Organisation innerhalb von elf spezialisierten Arbeitspaketen in Fachthemen aufgeteilt. Die Firmen wurden nur in die Lösung derjenigen Arbeitspakete eingebunden, für die sie selbst  Interesse verspürten und bei denen Sie das Gefühl hatten, sie in Zukunft einmal auf dem Markt der betreffenden Lösungen zur Geltung bringen zu können.  Dank der Zusammenarbeit einer Forschungsorganisation und eines Industrieunternehmens konnten neue, hochentwickelte Lösungen entstehen, die den eingebundenen Unternehmen ermöglichten, das technische Niveau ihrer Produkte zu erhöhen und dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit im internationalen Maßstab sicherzustellen, wodurch das Hauptziel des Projekts erfüllt war. Persönlich betrachte ich das fachliche Wachstum der Beschäftigten der Forschungsarbeitsstellen und vor allem auch der Firmen als ungemein förderlich. Diese erwarben dank der Einbindung in die Lösung anspruchsvoller Aufgaben im Rahmen dieses Projekts wertvolles Know-how, das sie künftig bei der Arbeit an den nächsten Aufgaben werden nutzen können. Nicht zuletzt ist es auch sehr wichtig, dass dank der Einbindung der Forschungsarbeitsstellen die erlangten Ergebnisse in allgemeiner Form in den Unterricht übertragen werden können, was zur Verbesserung der technischen Ausbildung in Tschechien und zum Heranziehen neuer Facharbeiter beiträgt.

Mit dem Aufkommen der Pandemie trat auch das Thema der Digitalisierung in den Vordergrund. Wie sieht es diesbezüglich bei Ihnen aus?

Egal, ob wir unsere Schritte als Einführung von Elementen der Digitalisierung oder als Industrie 4.0 bezeichnen, wir machen diese Schritte fortlaufend und ganz unabhängig von dieser Pandemie. Als Beispiel mag die Entwicklung unseres Systems TOS Control sein, das der Überbau des Steuerungssystems einer Maschine ist und das eine Plattform für die Integration einer Reihe von Applikationen bildet, die die Funktion einer Maschine erweitern, deren Bedienbarkeit verbessern oder die Verbindung mit weiteren Systemen ermöglichen, wie es beispielsweise ERP ist. Was sich bei uns mit dem Aufkommen der Pandemie rasant änderte, war die Notwendigkeit der Einführung einer Fernkommunikation mit unseren Partnern dank verschiedener Telekonferenz- und Videokonferenzgesprächen. Wir konnten uns davon überzeugen, dass wir in der Lage sind, so zu funktionieren und sogar unsere Maschinen an die Kunden auf der anderen Hälfte der Erdkugel auszuliefern. Ebenso haben sich die Nutzung und Funktionsfähigkeit der Ferndiagnostik einer Maschineerheblich verbessert. Es hat sich aber auch gezeigt, dass eine Videokonferenz den persönlichen Kontakt mit dem Kunden nicht ersetzen kann.

Worte wie Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit, intelligente und sparsame Lösungen sind Bestandteil des sog. European Green Deal bzw. des sog. grünen Konzepts und ebenso Bestandteil des Plans zur Förderung der Belebung Europas. In den nächsten 10 Jahren werden sich die gegenwärtige Wirtschaft und Industrie verändert haben. Begreifen Sie als Firma dies als eine Bedrohung oder eine Chance?

Jede grundlegende Veränderung bringt sowohl Bedrohungen als auch Chancen mit sich. Es liegt nur an den Managern der Firmen, ob sie diese Gelegenheiten finden und nutzen und den Drohungen ausweichen und sie in Chancen verwandeln können. Der European Green Deal und der Plan für die Förderung der Belebung Europas sind zweifelsohne solche Änderungen. Insbesondere im zweiten Fall wird es nicht an Gelegenheiten fehlen. Europa bereitet sich darauf vor, eine massive finanzielle Unterstützung an alle Mitgliedsstaaten zu verteilen und dadurch deren Gesundung von den Auswirkungen der Krise, die durch die Covid-19-Pandemie hervorgerufen wurde, zu fördern. Einstweilen bleibt die Frage, wie wir als Tschechische Republik in der Lage sein werden, diese Quellen effektiv zu nutzen. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Erstellung von Programmen, die Festlegung der Bedingungen für eine Inanspruchnahme und die anschließende Administration der Projekte nicht immer die besten waren. Ich wünsche mir, dass das diesmal anders sein wird. Dazu werden eine gründliche Vorbereitung und vor allem die Konsultation mit allen interessierten Seiten, d.h. auch mit den Vertretern der Industrie, notwendig sein. Ich bin überzeugt, dass günstig eingestellte Bedingungen der Programme vielen Firmen ermöglichen, sich nicht nur auf ein „grünes Europa“ vorzubereiten, sondern auch ihre unternehmerischen Aktivitäten zu erhalten und zu stärken und so zum Wachstum der tschechischen Wirtschaft beizutragen.

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