Die geschlossenen Grenzen und Industrie 4.0

Am Donnerstag, dem 17. Dezember 2020 ist die neue Quartalsschrift SPEKTRUM des Verbands für Industrie und Verkehr mit der Nummer 1Q/2021 erschienen. In dieser Nummer wird auf den Seiten 30 und 31 ein Gespräch mit dem satzungsmäßigen Direktor der Gesellschaft TOS, Ing. Jan Rýdl jun., unter dem Titel „Jan Rýdl: Die geschlossenen Grenzen haben uns die Vorteile von Industrie 4.0 aufgezeigt“ veröffentlicht.

Die Maschinenbaufirmen mussten wegen der Coronakrise schnell lernen, mit den Kunden auf die Ferne zu arbeiten. „In der TOS Varnsdorf haben wir begonnen, Fernübernahmen von Maschinen durchzuführen und wir bieten mehr Ferndiagnostik und -wartung an“, sagt Jan Rýdl jun., der Präsident des Verbands der Maschinenbautechnologie und Generaldirektor von TOS Varnsdorf.

 

         

 

 

Der Verband der Maschinenbautechnologie schätzt ein, dass in diesem Jahr die Produktion der tschechischen Hersteller von Werkzeug- und Umformmaschinen wegen der Coronakrise bis auf das Niveau der Krisenjahre 2009 und 2010 sinken könnte. Sind die Firmen darauf besser vorbereitet, als sie es auf die vorangegangenen Krise waren?

Es gibt einige Faktoren, die jetzt zugunsten der Firmen wirken, damit sie die Coronakrise bewältigen. In Tschechien haben wir traditionelle Hersteller mit einem starken Produktions- und Entwicklungsumfeld. Sie können auch auf eine ordentliche Kapitalausstattung bauen. Eine große Rolle werden auch die Erfahrungen spielen, die wir in den Jahren 2009 und 2010 erlangt haben. Das Problem liegt darin, dass die Coronakrise bisher keine klare Eingrenzung hat, wir sehen nicht, dass sich die Situation zu bessern anfangen würde. Wenn sich die Nachfrage nicht relativ bald belebt, kann das fatale Folgen auch für die traditionellen Hersteller von Werkzeugmaschinen haben.

Welche Lehren hat man bei TOS Varnsdorf aus der Krise von 2009 und 2010 gezogen?

Bei uns besteht ein riesiger Unterschied gegenüber der Lage in den Jahren 2009 und 2010 bei der geographischen Diversifikation des Verkaufs unserer Produkte. Wir konnten uns stark auf neuen Märkten durchsetzen. Das ist vor allem China, und wir haben in den USA Fuß gefasst. Auch in Russland sind wir stärker etabliert.

Haben Sie nach der Krise von 2009 und 2010 das finanzielle Management der Firma modifiziert, damit Sie für den nächsten wirtschaftlichen Rückgang über größere Rücklagen verfügen?

Wir haben bereits damals wahrgenommen, welches Risiko eine zu große Kreditbelastung ist. Diese konnten wir auf ein vernünftiges Niveau verringern. Im Jahr 2009 hat uns auch die Kursabsicherung die Situation erschwert. Alle Exporteure, einschließlich uns, hatten sich vor dem Eintritt der Finanzkrise gegen eine Stärkung der Krone für den Zeitraum von zwei bis drei Jahren abgesichert. Bei der schnellen Schwächung der Krone im Jahre 2009 untergrub dann das hohe Maß der Absicherung die finanzielle Stabilität der Firma. Jetzt gehen wir umsichtiger an die Absicherung heran.

Dieses Jahr im Frühling brachte die Schließung der Grenzen für die Maschinenbaufirmen eine riesige Komplikation. Worin bestand das größte Problem?

Für uns war das ähnlich wie das Schließen von Restaurants und Tourismuszentren. Plötzlich, von einem Tag auf den anderen, konnten wir nicht mehr zu unseren Kunden fahren, um bei ihnen unsere Maschinen aufzubauen. Wir konnten nicht vor Ort die Maschinen reparieren. Wir konnten einige persönliche Verhandlungen nicht abschließen. Gleichzeitig konnten die Kunden nicht zu uns kommen, und das nicht nur zu geschäftlichen Verhandlungen, sondern auch zur physischen Übernahme einer Maschine.

Konnten die Ausfahrten der Mitarbeiter zu den Kunden durch nichts ersetzt werden?

In dieser Zeit waren wir nicht darauf vorbereitet, dass wir die Fernübernahme einer Maschine durchführen würden. Wir konnten uns das auch nicht vorstellen. Wir waren auch mit der Situation konfrontiert, in der ein Kunde unsere Maschine in einige Bauteile zerlegt in der Produktionshalle hatte und es niemanden gab, der kommen und sie zusammenbauen würde. TOS Varnsdorf und weitere große Unternehmen haben zum Glück im Ausland zertifizierte Partner oder Tochtergesellschaften. Die halfen uns dann, bei einem Teil der Aufträge die Maschinen zusammenzubauen und die Auswirkung der geschlossenen Grenzen zu mildern.

Haben Sie bestimmte Präventivmaßnahmen getroffen, damit Sie ein eventuelles Reiseverbot nicht mehr derart belastet?

Wir haben wenigstens teilweise gelernt, die physische Übernahme einer Maschine bei uns im Werk zu ersetzen. Sie wird von unseren Leuten durchgeführt, und wir senden alles mit Hilfe der Kommunikationstechnologien zum Kunden, wo dessen Techniker sitzen. Wir sprechen uns ab, und wir zeigen, dass die Maschine in einer solchen Kondition ist, wie sie es sein soll. Wir zeigen beispielsweise den Prozess der Bearbeitung eines Prüfstücks. Auf diese Art haben wir bereits je eine Maschine an Kunden in Thailand und in Australien übergeben.

Führen Sie den Service auch im Fernzugriff durch?

Wenn das möglich ist, benutzen wir bei Serviceeingriffen die Ferndiagnostik, wobei wir direkt mit der Maschine beim Kunden verbunden sind. Wir melden uns in das Steuerungssystem der Maschine an, und aus seinen Daten können wir einige Fehler und Probleme mittels Fernzugriff beheben, oder wir sprechen mit dem örtlichen Instandsetzungsteam ab, wie es diese lösen soll.

Ist die Fernübernahme ein nachhaltiges Modell für die Zukunft?

Wenn wir am gegebenen Ort keinen zertifizierten Partner haben, werden immer uns immer direkt zum Kunden begeben müssen, damit wir ihm die Maschine zusammenbauen und in Betrieb nehmen. Nichtsdestotrotz könnten Kunden aus weiter entfernten Ländern die interne Fernübernahme bevorzugen, weil sie ihnen den Zeitraum für die Übernahme verkürzt und ihnen Reisekosten spart. Selbstverständlich wird es viele konservative Kunden geben, die zu uns kommen möchten, um die Maschine unmittelbar zu sehen.

Haben die Kunden nun ein größeres Interesse an der Installation von Systemen für die Ferndiagnostik und -wartung ihrer Maschinen?

Ich muss sagen, dass sie ebenso wie wir nun lernen, worin der Mehrwert dieser Systeme besteht. Eine prädiktive Instandhaltung hat einen klaren Vorteil gegenüber der Vorgehensweise, dass die Maschine arbeitet, bis etwas beschädigt ist oder zu funktionieren aufhört. Dann ist die Reparatur länger und teurer.

Worin liegt der Hauptvorteil der prädiktiven Instandhaltung?

Unser System signalisiert beispielsweise, dass das Lager der Hauptlagerung ausgetauscht werden sollte, oder es an der Zeit ist, die Hauptfüllung durchzublasen, bevor sich die Hauptlagerung festfrisst. Der Kunde sagt dann, wann wir für die Durchführung des Service kommen sollen, wann es für ihn am besten ist, und nicht erst in dem Moment, wenn die Maschine stehenbleibt. Die Bereitschaft der Kunden, für diese Systeme und Dienstleistungen zu bezahlen, wird zunehmen, sobald sich das Bewusstsein über deren Mehrwert verstärken wird.

Zu Beginn 2020 hatten Sie bei TOS Varnsdorf geplant, dass bei Ihnen der Umsatz und auch der Gewinn wachsen würde. Das war noch vor der Coronakrise. Wie wird es tatsächlich aussehen?

Ursprünglich hatten wir gegenüber 2019 ein Wachstum um 10 Prozent geplant. Das waren aber Pläne, die auf den Informationen für das dritte Quartal 2019 basierten. Bereits das folgende Quartal bestärkte uns in der Überzeugung, dass die Situation nicht so rosig sein würde. Die Realität ist so, dass wir für das Jahr 2020 ungefähr 23 Prozent unter dem Niveau von 2019 abschließen werden.

Haben Sie genug Aufträge, um auch im nächsten Jahr etwas zu produzieren?

Der Rückgang der neuen Aufträge bewegt sich um die 30 Prozent. Aber wir haben bereits im Verlauf des Jahres begonnen, uns darauf vorzubereiten. Gegenüber 2020 erwarten wir im Jahr 2021 ein Wachstum um 15 bis 20 Prozent. Wir werden aber weiterhin nicht auf das Niveau der Jahre 2018 und 2019 gelangen.

Helfen den Maschinenbaufirmen die Hilfsprogramme, mit denen die Regierung im Zuge der Coronakrise aufwartete?

Das eindeutig erfolgreichste Programm ist das Programm Antivirus. Es wurde von einer Reihe von Maschinenbauunternehmen genutzt. Nachdem die Grenzen geschlossen worden waren, blieben in den Firmen die Mitarbeiter zu Hause, die sonst bei den Kunden im Ausland die Maschinen zusammengebaut hätten. Für sie konnten wir die Regierungshilfe in Anspruch nehmen. Wir mussten auf den sofortigen Rückgang der Aufträge nicht mit Entlassungen reagieren. Ich begrüße deshalb, dass die Regierung das Programm Antivirus bis Ende des Jahres 2020 verlängert hat, da es eine Reihe von Firmen noch brauchen wird.

(Jan Stuchlík)

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